Wie eine Untersuchung von finanztest.de ergeben hat, liegen bei vielen PKV Tarifen im unteren Segment die Leistungen teils unter den Leistungen der GKV. Daher sei bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung Vorsicht geboten.
Die Kunden in der privaten Voll-Krankenversicherung sind stark umworben. Dabei sind aber auch zwei verschiedene Kundenkreise zu unterscheiden – zum Einen sind es die “alteingesessenen” PKV Kunden, die über ein hohes Einkommen verfügen und dementsprechend höherwertige PKV Tarife bevorzugen und zum Anderen die “neuen Selbstständigen”. Diese haben meist kein so hohes Einkommen und entscheiden sich daher für niedrigpreisige Tarife in der privaten Krankenversicherung.
Vertrauen sollte man hier allerdings nicht auf Werbeflyer oder E-Mails, in den PKV Tarife bereits ab “59 Euro” oder Ähnliches angeboten wird. Es ist zweifelhaft, wo die Werber die Adressen oder Email-Adressen haben, in der Regel aus dem Handel mit Kundendaten anderer Unternehmen. Dieser Handel, insbesondere in Verbindung mit solchen Lockangeboten sorgt bei Verbraucherschützern regelmäßig für Unmut.
Die Auswertungen von finanztest.de haben ergeben, dass die Leistungen, die von den privaten Krankenversicherern zum vermeintlichen “Schnäppchenpreis” angeboten werden, zum Teil unter den Tarifen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegen. Hier könnten die Kunden also entweder in die freiwillige GKV einsteigen oder den PKV Basistarif wählen.
Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen rät, von solchen Angeboten Abstand zu nehmen. Es macht hier keinen Sinn, eine private Krankenversicherung zu wählen, die unter den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen liegt. Privat Versicherte, die nicht einmal oder gerade so die Beiträge für einen PKV Billigtarif aufbringen können, werden im Alter Schwierigkeiten haben, die zusätzliche Beitragsbelastung zu schultern.
Auch der Vorstand des Bundes der Versicherten, Thorsten Rudnik, hat eine eigene Meinung zu Billigtarifen der PKV. Seiner Meinung nach gehören diese abgeschafft, da sie kein “Daseinsberechtigung” haben. In seinen Augen handelt es sich hier um eine Täuschung des Versicherten, der erst bei Bedarf, also im Krankheitsfall und im Alter merkt, worauf er sich beim Abschluss der Krankenversicherungspolice eingelassen hat. Dann kann es allerdings zu spät für einen Tarifwechsel sein. Weiter sagt Rudnik, dass es überhaupt bedenklich sei, ob die Vermittler der privaten Krankenversicherung auf das Defizit im Leistungsspektrum hinweisen, er sieht hier noch enormes “Streitpotential”.
Die Billigtarife haben in den letzten Wochen und Monaten für viel Zündstoff gesorgt. Manche Versicherer haben sich daher aus diesem Segment verabschiedet, andere fahren diese Preispolitik weiter. Leider wird dieser Kampf auf dem Rücken des Versicherten ausgetragen, der glaubt mit der PKV eine optimale Absicherung zu haben und dabei schlechter gestellt ist als ein gesetzlich Versicherter.

