Private Krankenversicherung - Welche Vorteile und Nachteile hat die PKV?
Anders als die gesetzliche Krankenversicherung ist die private Krankenversicherung ganz individuell nach den Vorstellungen des Versicherten zu gestalten. Der Versicherte hat weitreichende Möglichkeiten, seinen Versicherungsschutz und seinen Beitrag so zu vereinbaren, dass es zu seinen gesundheitlichen Anforderungen und finanziellen Möglichkeiten passt. Dies machen die verschiedenen PKV Tarife der privaten Krankenversicherungen möglich, die von jedem Versicherten individeuell gewählt und vereinbart werden können. Im Vergleich zur GKV kann der Versicherte bei der PKV selbst die Leistungen bestimmen, die er in Anspruch nehmen möchte.
Individuelle Absicherung
Einer der maßgeblichen Vorteile der privaten Krankenversicherung ist, dass die Leistungen der privaten Krankenversicherung im Krankheitsfall auf einer einzelvertraglichen Vereinbarung des Versicherten mit dem Versicherer (PKV Tarif) basieren.
Von dem vereinbarten Leistungsspektrum kann ohne Einverständnis des Versicherten und ohne eine vertragliche Fixierung nicht abgewichen werden, die Leistungen des Versicherers sind garantiert.
In der gesetzlichen Krankenversicherung ist dies anders – hier wird das Leistungsspektrum vom Gesetzgeber festgelegt, der Versicherte kann darauf keinen Einfluss nehmen. Insbesondere die Gesundheitsreformen sorgen regelmäßig dafür, dass Änderungen im Leistungsspektrum eintreten.
Flexible PKV Beiträge unabhängig vom Einkommen
Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Beiträge in der PKV unabhängig vom Einkommen des Versicherten und von den Erhöhungen der Beitragssätze durch den Gesetzgeber nicht betroffen. Die Beiträge orientieren sich ausschließlich am Alter und Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers. Hier ist es also ratsam, so früh wie möglich in die PKV einzutreten.
Die individuelle Absicherung ermöglicht es, durch die Wahl eines PKV Tarifs den Versicherungsschutz so festzulegen, wie es der Versicherte bevorzugt. Steht eine günstige Versicherungsprämie im Vordergrund, können die Leistungen entsprechend dem Niveau der gesetzlichen Kassen gewählt werden (siehe auch PKV Basistarif). Bei höheren Tarifen mit besseren Leistungen oder höheren Kostenerstattungen ist entsprechend die Versicherungsprämie zur PKV höher.
Vereinbarung von Selbstbeteiligungen
Um die Beiträge für die private Krankenversicherung niedrig zu halten, können auch Selbstbeteiligungen vereinbart werden, die sich direkt vorteilhaft auf den Beitrag auswirken.
Beitragsrückerstattungen
Viele privaten Krankenversicherungen bieten zudem die Beitragsrückerstattung an. Diese wird, sofern vereinbart, ausgezahlt, wenn der Versicherte die Leistungen der PKV in einem Jahr nicht in Anspruch genommen hat oder die Versicherung auf dem Kapitalmarkt Überschüsse erzielen konnte.
Risikozuschläge verteuern Beiträge
Doch die PKV hat nicht nur Vorteile. Einer der größten Nachteile ist die Gestaltung der Versicherungsbeiträge in Abhängigkeit vom Gesundheitszustand des Versicherten. Liegen Vorerkrankungen vor, kann dies einen großen Einfluss auf die Versicherungsbeiträge haben. Erscheint dem Versicherer das Risiko von Erkrankungen und von Behandlungskosten überdurchschnittlich hoch, hat er die Möglichkeit, die Beiträge zu erhöhen.
Je nach Krankheit kann der Risikozuschlag bis über 100 Prozent ausmachen und die Versicherungsprämie damit nahezu verdoppeln. Ist ein Versicherter also gesundheitlich nicht in Ordnung, kann die PKV eine teure Angelegenheit werden. Auch die Ablehnungen von Anträgen oder Leistungsausschlüsse sind bei Vorerkrankungen möglich. Die Festlegung der Beiträge nach dem Gesundheitszustand und das Recht des Versicherers zur Ablehnung eines Antrags sorgen dafür, dass der Wechsel der Gesellschaft mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird.
Steigende Beiträge im Alter
Ein großer Nachteil der PKV liegt in der Anhebung der Beiträge mit zunehmendem Alter. Zum einen verteuert sich der Beitrag mit dem Eintrittsalter, weshalb sich ein später Wechsel der PKV oder in die PKV nicht unbedingt lohnt. Dies liegt daran, dass die Gesellschaften Altersrückstellungen für die Versicherten bilden um die Beiträge im Alter stabil zu halten und exorbitante Beitragssprünge zu vermeiden.
Je später ein Versicherte aber in die PKV wechselt, desto kürzer ist die Zeit, die zur Bildung von Altersrückstellungen verbleibt. Schon deshalb steigen die Beiträge mit dem Eintrittsalter. Zum anderen steigen sie aber auch bei Versicherten, die frühzeitig in die PKV gewechselt haben. Mit zunehmendem Alter sind höhere Krankheits- und Behandlungskosten zu erwarten, die der Versicherer durch höhere Beiträge auf den Versicherten abwälzen möchte.
Beste medizinische Versorgung
Zu den weiteren Vorteilen der PKV gehört die medizinische Versorgung, die in der Regel weit über dem Niveau der gesetzlichen Kassen liegt. So erstatten viele private Krankenversicherungen in Abhängigkeit von dem gewählten Tarif anders als die gesetzlichen Kassen nicht den einfachen Kostensatz, sondern den Regelhöchstsätze nach der ärztlichen und zahnärztlichen Gebührenordnung.
Gerade die Premiumtarife gehen auch über den Regelhöchstsatz noch einmal deutlich hinaus. Für den Versicherten bedeutet das, er erhält eine medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau und nach dem neuesten Stand der medizinischen Entwicklung. Wer auf eine sehr hochwertige Versorgung im Krankheitsfall Wert legt, ist deshalb in der privaten Krankenversicherung gut aufgehoben. Außerdem verzichtet die PKV auf die Bindung an Vertragsärzte, der Versicherte hat die freie Arztwahl.
Hochwertige ambulante Behandlung
Im ambulanten Bereich übernimmt die PKV je nach Tarif auch die Erstattung von Heilpraktikerleistungen oder alternativen Heilmethoden. Viele Tarife schließen im Premiumbereich sogar eine Gleichstellung von schulmedizinischen und alternativmedizinischen Behandlungen ein. Damit kann der Versicherte frei wählen, ob er sich schulmedizinisch betreuen lassen möchte oder der Homöopathie den Vorzug gibt. Alternativ kann der Leistungskatalog der Behandlungen, die von der Kasse übernommen werden, je nach Tarif eingeschränkt sein oder sich auf das Hufelandverzeichnis erstrecken.
Exklusive stationäre Behandlung
Geht es um den Aufenthalt im Krankenhaus, kann in der privaten Krankenversicherung die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer gewählt werden. Der Versicherte ist nicht an das Mehrbettzimmer gebunden, er kann sich für zusätzliche Wahlleistungen entscheiden. In der Regel ist die Wahl des Ein- oder Zweibettzimmers mit der Behandlung durch einen Privat- oder Chefarzt gekoppelt. Damit sind Versicherte in der PKV nicht auf einen Beleg- oder Stationsarzt angewiesen.
Hohe Erstattungen beim Zahnersatz
Bei Zahnersatz und Kieferorthopädie geht die private Krankenkasse je nach Tarif deutlich über das Niveau der gesetzlichen Kassen hinaus. Gerade für Zahnersatz sind hohe Kostenerstattungen möglich, die sich bei 80 oder 90 Prozent bewegen können. Kieferorthopädische Maßnahmen wiederum werden oft auch bei Erwachsenen erstattet.
Summenbegrenzung bei dentaler Leistung
Allerdings sehen einige Tarife in den ersten Versicherungsjahren eine Summenbegrenzung im dentalen Bereich vor, die bei Unfällen entfällt. So kann die Leistung für Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie im ersten Jahr auf 1.000 Euro begrenzt sein, diese Erstattung kann bis zum fünften Versicherungsjahr auf 5.000 Euro steigen.
Auch eine Begrenzung auf Zahnersatz und Kieferorthopädie ist möglich, Zahnbehandlungen werden dann in vollem Umfang gezahlt. Die Regelungen sind vielfältig, sorgen aber dafür, dass der Versicherte unter Umständen einen erheblichen Teil der Leistungen im Zahnbereich selbst zu zahlen hat.
Transparente Kostenabrechnung
Einer der größten Vorteile der PKV liegt in der transparenten Kostenabrechnung. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung erhält jeder Versicherte eine Rechnung über eine durchgeführte Behandlung. Er kann damit nachvollziehen, welche Leistungen durchgeführt und abgerechnet wurden.
Keine Abrechnung zwischen Arzt und Krankenkasse
Dadurch dass die Abrechnung direkt zwischen behandelndem Arzt und Versicherten erfolgt, müssen PKV Angehörige alle Rechnungen zunächst aus eigener Tasche bezahlen. Dies gilt auch bei hohen Rechnungssummen und unabhängig davon, ob der Versicherer die jeweiligen Kosten übernimmt oder nicht. Diese Rechnungen werden dann an die private Krankenversicherung zur Kostenerstattung weitergeleitet. Je nachdem, wie schnell die Krankenversicherung mit der Erstattung der Kosten ist, muss der Versicherte erst in Vorleistungen treten.
Keine Familienversicherung
Versicherte, die Familienangehörige ohne eigenes Einkommen absichern müssen, haben in der PKV für alle Familienmitglieder einen eigenen Beitrag zu zahlen. Eine kostenfreie Familienversicherung wie in der GKV gibt es in der privaten Krankenversicherung nicht. Damit kann eine PKV für Versicherte mit Familienangehörigen zu einer sehr kostspieligen Versicherung werden.
Lange Wartezeiten von mehreren Monaten
Bei einem Versicherungswechsel aus der GKV oder von einer Gesellschaft zur anderen in der PKV fallen in der Regel Wartezeiten von drei Monaten für Arztleistungen oder acht Monaten für Zahnarztleistungen und bei Schwangerschaft an. In dieser Zeit erbringt der Versicherer keine Leistungen, der Versicherte muss anfallende Kosten aus eigener Tasche tragen. Unter Umständen akzeptiert der Versicherer einen Wartezeitenerlass aufgrund einer bestehenden Vorversicherung oder einer ärztlichen Untersuchung.
Beitragszahlung während Mutterschaft und Krankengeldbezug
Die PKV sieht eine Beitragszahlung vor, auch wenn die Versicherten sich im gesetzlichen Mutterschutz oder in der Elternzeit befinden oder aufgrund einer längeren Erkrankung Krankengeld beziehen. Dies gilt sogar, wenn während dieser Zeit kein Einkommen erzielt wird. Damit kann der Versicherungsschutz zu einer echten finanziellen Belastung werden.
Keine Kostenübernahme bei Kur oder Unfall im Ausland
Die Übernahme der Unterkunftskosten für eine Kur ist in der PKV oft ausgeschlossen. Auch der Rücktransport aus dem Ausland ist nicht zwangsläufig im Tarif entahlten, obwohl er eine teure Angelegenheit werden kann, wenn ein Hubschrauber oder ein Rettungsflugzeug geordert werden müssen. Je nach Tarif muss der Versicherte diese Leistungen selbst zahlen.
Fazit zur Privaten Krankenversicherung - Vor- und Nachteile
Die PKV hat also insgesamt sowohl Vorteile wie auch Nachteile. Ob sie das Mittel der Wahl für einen Versicherten ist, bleibt deshalb der Prüfung des individuellen Einzelfalls vorbehalten. Sicherlich sind die flexiblen Beiträge, die in der PKV einkommensunabhängig gezahlt werden, ein deutlicher Vorteil zu den Beiträgen in der GKV. Allerdings muss man sich hier auch vor Augen halten, dass diese auch weiter gezahlt werden müssen, wenn kein Einkommen vorliegt (hier ist der Wechsel in den PKV Basistarif zu empfehlen). Darüber hinaus steigen die Beiträge mit zunehmenden Alter, erst recht, wenn nicht ausreichen Altersrückstellungen gebildet werden konnten. Hier wird es also darauf hinauslaufen, dass im fortgeschrittenen Alter die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung geringer sind als die der privaten Krankenversicherung, wenn man nicht gerade den Basistarif gewählt hat.


